In München ist Fläche teuer. Das führt zu Wohnungen, in denen jeder Quadratmeter arbeiten muss — und zu vielen Grundrissen, die das nicht tun.
Die gute Nachricht: Die meisten kleinen Wohnungen sind nicht zu klein. Sie sind falsch aufgeteilt. Ein 65-Quadratmeter-Altbau mit langem Flur, Kammer neben der Küche und einem Bad, das man durch das Schlafzimmer betritt, hat vielleicht 50 nutzbare Quadratmeter. Derselbe Grundriss, anders organisiert, hat 62.
Hier sind neun Eingriffe, die wir in Münchner Wohnungen regelmäßig einsetzen — sortiert von klein nach groß.
Woran du einen schlechten Grundriss erkennst
Bevor es an die Lösungen geht, eine kurze Diagnose. Diese Punkte sind Warnzeichen:
- Der Flur nimmt mehr als 10 Prozent der Wohnfläche ein
- Es gibt Räume, die nur als Durchgang dienen
- Ein Zimmer hat keine Wand, an der ein Bett oder Schrank sinnvoll stehen kann
- Die Küche ist ein separater, kleiner Raum ohne Platz zum Sitzen
- Türen schlagen gegeneinander oder in die einzige nutzbare Möbelfläche
- Ein Raum hat mehr als drei Türen — dann bleibt kaum Wandfläche übrig
Wenn zwei oder mehr davon zutreffen, lohnt sich das Weiterlesen.
1. Türen umhängen oder ersetzen
Der kleinste denkbare Eingriff, und erstaunlich oft der wirksamste. Eine Tür, die in den Raum aufschlägt, blockiert etwa einen Quadratmeter Stellfläche.
Möglichkeiten: den Anschlag wechseln (Tür schlägt nach außen oder zur anderen Seite auf), eine Schiebetür einsetzen, oder die Tür ganz weglassen, wo sie ohnehin immer offen steht.
Besonders im Bad und in kleinen Schlafzimmern gewinnst du damit die Fläche, auf die es ankommt.
2. Die Diele auflösen
Der klassische Münchner Altbau hat einen langen Mittelflur, von dem alle Räume abgehen. Er ist fensterlos, dunkel und dient ausschließlich dem Durchgehen — bei 65 Quadratmetern oft acht davon.
Wenn die Wand zum angrenzenden Wohnraum nicht tragend ist, kannst du den Flur teilweise oder ganz in den Wohnbereich integrieren. Aus totem Verkehrsraum wird nutzbarer Wohnraum, und die Wohnung bekommt Licht bis in die Mitte.
Was du dabei brauchst: einen Ersatz für die Garderobenfunktion. Ein Einbauschrank an der Eingangsseite löst das meist.
3. Küche und Wohnraum zusammenlegen
Die separate kleine Küche ist ein Erbe der Vorkriegsgrundrisse. Wer heute kocht, will dabei nicht allein in einer Kammer stehen.
Ein Wanddurchbruch — ganz oder als breite Öffnung — verbindet die beiden Räume. Beide wirken größer, das Licht verteilt sich besser, und der Essplatz findet endlich einen Ort.
Wichtig: Lüftung und Abluft müssen mitgeplant werden. Eine offene Küche ohne funktionierende Dunstabzugslösung wird zum Problem, das man täglich riecht.
4. Einbaumöbel statt Stellmöbel
Ein freistehender Kleiderschrank ist 60 cm tief und steht meistens 5 bis 10 cm von der Wand ab, plus Fugen an den Seiten. Ein Einbauschrank nutzt die volle Nische, geht bis zur Decke und schließt bündig ab.
Der Flächengewinn liegt bei 15 bis 25 Prozent des Stauraums — bei gleicher Grundfläche. Und optisch beruhigt sich der Raum erheblich, weil eine geschlossene Fläche statt eines Möbelblocks entsteht.
Besonders lohnend: Nischen neben Schornsteinen, Dachschrägen, der Bereich über Türen.
5. Die Deckenhöhe nutzen
Münchner Altbauten haben oft 3,20 bis 3,60 Meter lichte Höhe. Das ist Stauraum, der ungenutzt bleibt.
Hochschränke bis zur Decke, Regale über Türen, in Einzelfällen eine Galerie oder ein Hochbett. Was oben lagert, muss nichts sein, woran man täglich muss — Koffer, Saisonkleidung, Archiv.
6. Ein Raumteiler statt einer Wand
Wenn ein Raum zwei Funktionen erfüllen muss — Schlafen und Arbeiten, Wohnen und Gäste —, braucht es Trennung, aber keine geschlossene Wand.
Ein offenes Regal, eine halbhohe Schrankwand, ein Vorhang auf einer Deckenschiene, eine Schiebewand. Alles gliedert, ohne Licht zu nehmen, und alles ist rückbaubar — was bei Mietwohnungen entscheidend ist.
7. Das Bad neu organisieren
Kleine Bäder gewinnen selten durch mehr Fläche, sondern durch bessere Anordnung. Eine bodengleiche Dusche statt einer Wanne, ein Waschtisch mit Unterschrank statt eines Säulenbeckens, wandhängende Sanitärobjekte, die den Boden frei lassen.
Wenn sich die Position der Abflüsse ändern soll, wird es aufwendiger — der Bodenaufbau muss das hergeben. Das gehört geprüft, bevor man plant.
8. Farbe und Licht als Werkzeug
Kein baulicher Eingriff, aber wirksam. Helle Wände in einem kühlen, hellen Ton lassen Räume größer wirken. Eine Wand in einem dunkleren Ton am Ende eines schmalen Raums verkürzt ihn optisch und nimmt die Schlauchwirkung.
Spiegel an der richtigen Stelle — gegenüber einem Fenster, nicht gegenüber einer Wand — verdoppeln das Tageslicht. Und durchgehender Bodenbelag über mehrere Räume hinweg lässt die Wohnung als Ganzes wirken statt als Abfolge kleiner Zellen.
9. Zwei Wohnungen zusammenlegen
Der größte Eingriff, und in München häufiger als anderswo — weil zwei kleine Einheiten im selben Haus oft günstiger sind als eine große.
Das ist ein echtes Bauvorhaben: Durchbruch in einer möglicherweise tragenden Wand, Zusammenführung der Haustechnik, häufig Anpassung von Elektrik und Heizung. Und es braucht in der Regel die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft sowie eine baurechtliche Prüfung.
Der Gewinn ist dafür erheblich: Man spart eine Küche, ein Bad und einen Eingangsbereich und gewinnt einen Grundriss, den es so am Markt nicht zu kaufen gibt.
Was baurechtlich zu beachten ist
Bevor irgendetwas herausgerissen wird, gehören drei Dinge geklärt:
Ist die Wand tragend? Das steht im Bestandsplan, den du bei der Hausverwaltung oder im Bauaktenarchiv der Stadt anfragen kannst. Im Zweifel prüft ein Statiker. Ein Durchbruch in einer tragenden Wand ist möglich, braucht aber einen Sturz und eine statische Berechnung.
Steht das Haus unter Denkmalschutz? In München betrifft das sehr viele Altbauten. Bei Innenräumen ist meist weniger geschützt, als man befürchtet — aber Stuck, historische Türen, Böden und Fenster können betroffen sein. Die Untere Denkmalschutzbehörde gibt Auskunft.
Was sagt die Eigentümergemeinschaft? Eingriffe in tragende Bauteile und Änderungen an der Haustechnik betreffen das Gemeinschaftseigentum und brauchen einen Beschluss. Das dauert und sollte früh angestoßen werden.
Und bei Mietwohnungen: Bauliche Veränderungen brauchen die Zustimmung des Vermieters, meist verbunden mit einer Rückbauverpflichtung. Hier lohnt sich der Fokus auf die Eingriffe 1, 4, 6 und 8 — sie wirken und sind reversibel.
Häufige Fragen
Ab welcher Größe lohnt sich eine professionelle Planung?
Es geht weniger um die Größe als um die Komplexität. Eine 50-Quadratmeter-Wohnung mit schwierigem Zuschnitt braucht oft mehr Planung als ein großes, klar geschnittenes Haus.
Was kostet eine Grundrissoptimierung?
Das hängt vom Umfang ab. Eine reine Konzeptberatung mit Aufmaß und Variantenvorschlägen liegt deutlich unter einer vollständigen Planung mit Ausschreibung und Baubegleitung.
Wie lange dauert so ein Umbau?
Von der ersten Skizze bis zum Einzug bei einer mittelgroßen Wohnungssanierung meist sechs bis zwölf Monate — der größere Teil davon entfällt auf Planung, Genehmigungen und Handwerkerterminierung, nicht auf die eigentliche Bauzeit.
Kann man während des Umbaus in der Wohnung bleiben?
Bei Eingriff 1, 4, 6 und 8 in der Regel ja. Sobald Bad oder Küche betroffen sind, wird es unpraktikabel.